April 2016: Prof. Dr. Kerstin Bilda

Prof. Dr. Kerstin Bilda
Prof. Dr. Kerstin Bilda

Prof. Dr. Kerstin Bilda ist Wissenschaftlerin des Monats April. Die ausgebildete Logopädin studierte Neurolinguistik an der TU Berlin und am Institute of Neurology University College London (UCL). Nach ihrer Promotion an der RWTH Aachen war sie zunächst als Dozentin an der Medau-Schule Coburg tätig und baute dort die Fachschule für Logopädie mit Sprachheilambulanz auf.

Während ihrer Zeit an der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven als Professorin für Angewandte Sprach- und Kommunikationswissenschaften leitete sie den Studiengang Logopädie und war Prodekanin des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit. Seit 2009 ist Bilda Professorin für Logopädie an der Hochschule für Gesundheit in Bochum und seit 2015 Vizepräsidentin für Forschung.

Im Interview erläutert Prof. Dr. Kerstin Bilda, welche Rolle neue Technologien in der Gesundheitsversorgung spielen und warum der Gesundheitscampus so wichtig für die Hochschulstadt Bochum ist.

Mit welchen Forschungsfragen beschäftigen Sie sich aktuell?
Mein Forschungsinteresse gilt dem Einsatz von Technologien in der Gesundheitsversorgung. Dabei interessiert mich insbesondere die Entwicklung und Erprobung von neuen Technologien in der Diagnostik und Therapie bei Menschen mit Einschränkungen der Hör- und Kommunikationsfähigkeit. Denn die Akzeptanz neuer Technologien hängt entscheidend davon ab, welche Unterstützung zum Beispiel internetbasierte Trainingsprogramme für Menschen mit Sprachstörungen nach einem Schlaganfall leisten können. Ein Sprachtraining kann, wenn es auf einem Tablet angeboten wird, die Übungsfrequenz deutlich erhöhen, da betroffene Menschen zu Hause unabhängig von ihrer Therapeutin jederzeit üben können.

In einem weiteren neuen Forschungsprojekt entwickeln wir in einem Verbund mit verschiedenen Partnern ein Pilotsystem für Menschen mit Sprechstörungen, die zum Beispiel als Folge einer Parkinsonerkrankung auftreten. Dieses Projekt ist technisch besonders herausfordernd, weil wir ein Spracherkennungssystem entwickeln müssen, welches in der Lage ist, gestörte, also schwer verständliche Sprache zu identifizieren. Der Einsatz von technischen Systemen kann auch hier die Lebensqualität entscheidend verbessern.

Auch im Themengebiet der Hörgesundheit kann der Einsatz eines technikunterstützten Hörtrainings eine sehr sinnvolle Ergänzung zur traditionellen Versorgung darstellen. Im Rahmen meiner Zusammenarbeit mit dem Team von Prof. Dr. Stefan Dazert, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Ruhr-Universität Bochum und der Firma Kampmann Hörsysteme wollen wir für verschiedene Formen der Hörminderung neue Rehabilitationsmodelle entwickeln und diese auf ihre Wirksamkeit und Akzeptanz evaluieren. Denn mit einem zunehmenden Bedarf an theoretisch gut fundierten und wissenschaftlich evaluierten Hörtrainingsverfahren ist aufgrund des demografischen Wandels zu rechnen.

Was lernen die Studierenden bei Ihnen?
Mein Wunsch ist, Studierende für eine wissenschaftlich fundierte logopädische Diagnostik und Therapie bei Menschen mit neurologischen Erkrankungen zu begeistern. Im Studium werden beispielsweise neue Modelle der Gesundheitsversorgung vorgestellt und kritisch analysiert. Außerdem ist es mir ein Anliegen, den Studierenden den Stand der internationalen Therapieforschung zu vermitteln. Die Therapieforschung ist in Deutschland leider so wenig ausgeprägt, weil wir im internationalen Vergleich das einzige Land sind, in dem die Gesundheitsberufe nicht auf akademischem Niveau ausgebildet werden. Die Hochschule für Gesundheit ist mit ihren primärqualifizierenden Studiengängen ein Vorreiter in Deutschland. Auch dieses berufspolitische Thema spielt in meiner Lehre eine wichtige Rolle, da der Status der Gesundheitsberufe in unserem Gesundheitssystem einen wesentlichen Einfluss auf eine wissenschaftlich basierte Gesundheitsversorgung hat.

Was wünschen Sie sich für die Hochschulstadt Bochum?
Im Gesundheitscampus Bochum sehe ich ein großes Potential für den Standort insgesamt. Ich wünsche mir, dass die Expertisen der vielfältigen Akteure aus der Gesundheitsbranche zu einer Profilierung Bochums in der Gesundheitsversorgung beitragen. An der Ruhr- Universität Bochum lehren und forschen exzellente Wissenschaftler in den Bereichen Neurowissenschaften, Medizin und Technik. Im Rahmen einer fachbezogenen Kooperation könnte der nachhaltige Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Praxis gemeinsam gestaltet werden. Diese Form der wissenschaftlichen Kooperation zwischen verschiedenen Hochschultypen in den Bereichen der medizinischen und klinisch-therapeutischen Versorgung sowie der Entwicklung und Erprobung neuer Gesundheitstechnologien, könnte Bochum als Hochschulstadt besonders profilieren.

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