Bochum ist die Wissenschaftshochburg im Ruhrgebiet - sieben Hochschulen, rund 56.000 Studierende und annähernd 10.000 Beschäftigte stehen für eine einzigartige akademische Vielfalt.

UniverCity Bochum ist der Zusammenschluss der Stadt Bochum, der Bochum Marketing GmbH, der IHK Mittleres Ruhrgebiet, des Akademischen Förderungswerkes, des Deutschen Bergbau-Museums sowie von sieben Bochumer Hochschulen.

Das gemeinsame Ziel der Partner ist die weitere Stärkung Bochums als Stadt der Wissenschaft und Bildung und eine stärkere Identifikation der Bochumer Bürgerinnen und Bürger mit den wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt.

Mit UniverCity Bochum haben Stadt, Hochschulen und weitere Partner hierfür ein Format der Zusammenarbeit geschaffen.

Mai 2015: Theresia Degener

Prof. Theresa Degener. Foto: Bertold Fernkorn
Prof. Theresa Degener. Foto: Bertold Fernkorn
Den Auftakt als erste Wissenschaftlerin des Monats macht Theresia Degener. Sie ist Professorin für Recht und Disability Studies an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe. Seit 2013 ist sie zudem stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen.

Ein aktuelles Beispiel für das hohe Engagement von Prof. Theresia Degener ist das Projekt „AKTIF – Akademiker_innen mit Behinderung in die Teilhabe- und Inklusionsforschung“. Ziel des Projektes ist es, die Anzahl von behinderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in diesem Forschungsfeld zu erhöhen.

 

Interview mit Prof. Theresa Degener zum Projekt "AKTIF"

Um die Gewinnung von Nachwuchswissenschaftler/innen geht es im Forschungsprojekt AKTIF – Akademiker_innen mit Behinderung in die Teilhabe- und Inklusionsforschung“. Das Projekt startet im Sommersemester 2015. Hintergrund ist, dass die Inklusions- und Teilhabe-Forschung derzeit von nichtbehinderten Wissenschaftler/innen dominiert wird. Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Projekt wird gemeinsam mit der Uni Köln, der TU Dortmund, und dem Institut für empirische Soziologie (IfeS) an der Friedrich-Alexander- Universität Nürnberg-Erlangen und der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum umgesetzt.

Die vier Standorte werden zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen arbeiten. In Bochum liegt der Schwerpunkt auf der Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention in NRW und international, und  der anwendungsorientierten Forschung zu Disability Studies.

Was war die Initialzündung für die Idee zu diesem Projekt?
Die Initiative kam von meiner Kollegin Dr. Monika Schröttle, die derzeit eine Vertretungsprofessur an der TU Dortmund innehat. Wir forschen beide im Bereich soziale Ungleichheit und Behinderung und zu Gender-Fragen. Als wir uns über die sich durch die Behindertenrechtskonvention angestoßene Konjunktur in der Inklusions- und Teilhabeforschung unterhielten, stellten wir beide fest, dass uns die fehlende Repräsentanz behinderter Wissenschaftler/innen stört. Wir empfanden es beide als Widerspruch einerseits mehr Geld für die Inklusion- und Teilhabeforschung zu fordern, andererseits aber nicht dafür zu sorgen, dass die Forschung selbst inklusiver wird. Es ist schon zu lange und zu viel durch nichtbehinderte Forscher/innen über Menschen mit Behinderungen geforscht worden. Aus dieser Unzufriedenheit entstand die Idee für das Projekt AKTIF.

Wie lange ist die Laufzeit?
Die Laufzeit beträgt drei Jahre. Wir hoffen aber, dass wir im zweiten und dritten Jahr des Forschungsprojektes weitere Drittmittel einwerben können. Ein Ziel der Qualifizierung der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen in den inklusiven Forschungsteams ist es ja, sie für Forschungsanträge zu qualifizieren.

An der EFH fanden Bewerbungsgespräche für Stellen der wissenschaftlichen Mitarbeitenden in diesem Projekt statt. Wieviel Stellen werden eingerichtet?
Es werden insgesamt vier Stellen eingerichtet: drei 50% Stellen und eine 75% Stelle.

Was macht das Besondere dieses Forschungsprojekts aus?
Das Besondere ist unsere Hypothese, die besagt, wir können bessere Ergebnisse in der Inklusions- und Teilhabeforschung erzielen, wenn wir den Forschungsprozess selbst inklusiv gestalten. Eine weitere Besonderheit liegt in der Perspektive der Forschung des Forschungsstandorts Bochum. Diese liegt in der Disability Studies und im Menschenrechtsansatz. Disability Studies, ist ähnlich wie Gender Studies eine neue wissenschaftliche Perspektive, die von der sozialen Konstruktion scheinbar biologischer Merkmale ausgeht. Anders als Gender Studies sind Disability Studies in Deutschland aber noch eine sehr zarte und junge Pflanze. Insbesondere die anwendungsorientierte Forschung der Disability Studies ist in Deutschland unterentwickelt. Ähnliches gilt für den Menschenrechtsansatz in der Sozialen Arbeit und anderen Feldern des professionellen Helfens.

Was erhoffen Sie sich aus Ihrer langjährigen Erfahrung in der Inklusionsarbeit von der Forschungsarbeit im Verbund mit den anderen Hochschulen?
Im Verbund lässt sich besser forschen, denn Forschung ist auf Kommunikation und Reflektion angewiesen. Wir werden an den verschiedenen Standorten unterschiedliche Schwerpunkte setzen und zugleich Synergieeffekte im Bereich der Basisforschung und hinsichtlich der Qualifikation der Mitarbeiter/innen nutzen können. Zudem sind Forschungsverbünde im Hinblick auf die wissenschaftlichen Karrieren der Mitarbeiter/innen förderlich. Es werden Netzwerke geknüpft, die einen hohen Wert für wissenschaftliche Biografien haben. Schließlich erhoffe ich mir einen Nachhaltigkeitseffekt für die Hochschullandschaft insgesamt. Wenn mehrere behinderte Nachwuchswissenschaftler/innen an mehrern Hochschulen eingestellt werden, um eine inklusive Forschungsstruktur zu entwickeln, dann ist zu erwarten, dass sich daraus ein Schneeballsystem entwickelt.

 

Zur Person:
Prof. Dr. Theresia Degener, Professorin für Recht und Disability Studies an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, wurde am 15. April in Genf zur stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen gewählt. Seit dem 1. September 2010 ist sie Mitglied dieses Ausschusses. Die anerkannte Expertin im Bereich der Rechte von Menschen mit Behinderungen hat nicht nur entscheidend an der Entwicklung der VN-Behindertenrechts-Konvention mitgewirkt, sie ist auch bei der Umsetzung sehr aktiv. So initiierte sie beispielsweise eine Tagung zur Umsetzung der VN-Behindertenrechtskonvention in der Praxis mit internationalen Referentinnen und Referenten, die 2013 an der Evangelischen Fachhochschule R-W-L in Bochum stattfand.

In dieser Funktion unterstützt Prof. Degener seitdem die erste weibliche Vorsitzende des Ausschusses, die Chilenin Maria Soledad Cisternas Reyes. Der Behindertenrechts-Ausschuss begutachtet und bewertet die Umsetzung der VN-Behindertenrechts-Konvention in den einzelnen Staaten und dient als Schnittstelle zwischen den Vertragsstaaten und anderen Organen der VN. Er berichtet dem Wirtschafts- und Sozialrat sowie der Generalversammlung der VN.

Theresia Degener studierte Rechtwissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und beendete das Studium 1986 mit dem Ersten Juristischen Staatsexamen. Ihren Master of Law (LL.M) erhielt sie 1990 von der Uni-versity of Califormia, Berkeley, USA. Sie promovierte 1992 im Fachbereich Rechtswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Das Assessoren-Examen legte die 1993 in Hessen ab. Sie lehrte an verschiedenen ausländischen Hochschulen zum Thema internationale Menschenrechte unter anderem 1999/2000 an der juristischen Fakultät der der University of California, USA und als außerordentliche Professorin 2007/2010 an der juristischen Fakultät der University of Western Cape (UWC), Kapstadt, Südafrika. Dort half sie, das erste afrikanische Center of Disability Law and Policy aufzubauen. 2000-2001 war sie Mitglied der Enquetekommission des Bundestages “Recht und Ethik der modernen Medizin”. 2002 – 2006 war sie Mitglied der deutschen Delegation beim Ad Hoc-Ausschuss der Vereinten Nationen zur Vorbereitung der Behindertenrechts-Konvention. 2005 verlieh ihr Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste in der Behindertenpolitik. Sie ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Disability Studies in Deutschland. Prof. Dr. Degener lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in der Nähe von Wuppertal.

 

Informationen zur Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe RWL :
Die Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum ist die größte evangelische Hochschule in Deutschland. Getragen wird die staatlich anerkannte FH von den Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe. Rund 2.000 Studierende nehmen gegenwärtig die umfassenden Studienangebote im Sozialwesen und der Gemeindepädagogik wahr.
Weitere Informationen unter www.efh-bochum.de

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